Mittag Martina
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Anglistik, Otto-Behaghel-Straße 10b, D-35394, Gießen.
Ber Wiss. 2018 Jun;41(2):134-145. doi: 10.1002/bewi.201801887.
Wissenschaft mit Unterschieden: Parodie und Paradies in Margaret Cavendishs The Blazing World (1666). Mit ihrer utopischen Erzählung The Blazing World (1666) ist Margaret Cavendish, Duchess of Newcastle, eine der wenigen Autorinnen der Frühen Neuzeit, die sich sowohl im Feld der Literatur als auch der Naturphilosophie betätigten. Auf den ersten Blick scheint die Welt jenseits des Nordpols, in die die Protagonistin nach gewaltsamer Entführung und Schiffbruch gerät, ein weibliches Wissenschaftsparadies: Nach eilig erfolgter Vermählung mit dem Kaiser regiert sie eigenverantwortlich über die wissenschaftlichen Institutionen ihres Reichs und debattiert mit Bären-, Vogel-, Wurmmännern und ähnlichen Hybridwesen über die neuesten wissenschaftlichen Errungenschaften. Bald schon stellt sich jedoch heraus, dass ihre "Wissenschaftler" denjenigen der englischen Realität sowohl in ihrer blinden Begeisterung für neue Forschungsinstrumente wie in ihrem ermüdenden Austausch von Meinungen und Glaubenssätzen durchaus ähnlich sind. Unterstützung für ihre Kritik und für eigene Forschungs- und Schreibprojekte findet die Protagonistin in der Autorin selbst, der Duchess of Newcastle, in deren Welten sich die beiden gemeinsam begeben. Parodie und Satire, die auf zeitgenössische Modetorheiten im Umfeld der Royal Society abzielen, stehen im Fokus des vorliegenden Aufsatzes ebenso wie utopische Perspektiven, die durch die Eröffnung neuer Denkräume entstehen. Auf dem von ironisch kommentierten Fetischen und Hybriderscheinungen gepflasterten Weg dorthin bewegt sich die Erzählung zwischen Realität und Virtualität, Fakten und Fiktionen, kritisiert epistemologische und institutionelle Vorgaben und testet die Grenzen der Geschlechter im neu entstehenden Feld von Wissenschaft und Literatur. Summary: Science With a Difference: Parody and Paradise in Margaret Cavendish's The Blazing World (1666). Margaret Cavendish's The Blazing World (1666) is one of the very few utopian accounts by women in the early modern period. At first sight, the world beyond the North Pole that Cavendish's beautiful heroine enters after surviving abduction and shipwreck seems to offer the utmost in terms of early modern feminine scientific utopias: after the shortest love story in history, the heroine becomes Empress and is given a whole Empire to govern at her pleasure. But soon it turns out that the hybrid creatures of her newly founded scientific communities, bear-men, bird-men, worm-men, and the like are far from utopian truth-seeking, but, like their earthly counterparts, all too often revel in tedious meaning and believing. The paper will focus on such parodic moments as well as on alternative modes of dealing with science more adequate to the term Paradise. Only with the support of her this-worldly friend, the Duchess of Newcastle, who also happens to be the author of the story, the Empress can not only improve her utopian state, but also the state of affairs in the real world. On the way, the boundaries between fact and fiction, real and virtual, masculine and feminine, sense and nonsense are continuously tested - reflecting and commenting on early modern fear and fascination of the unknown and the promises of science and technology.
《有差异的科学:玛格丽特·卡文迪什的〈燃烧的世界〉(1666 年)中的戏仿与乐园》。玛格丽特·卡文迪什,纽卡斯尔公爵夫人,凭借其乌托邦小说《燃烧的世界》(1666 年)成为早期现代为数不多的在文学和自然哲学领域均有所建树的女作家之一。乍一看,故事主人公在经历暴力绑架和船只失事之后抵达的北极之外的世界,似乎是一个女性科学乐园:在迅速与皇帝成婚之后,她自主掌管着帝国的科学机构,并与熊人、鸟人、虫人及类似的混血生物就最新的科学成就展开辩论。然而,很快就发现,她那些“科学家”在对新研究工具的盲目热情以及在令人疲惫的观点和信仰交流方面,与英国现实中的科学家极为相似。主人公在纽卡斯尔公爵夫人(即故事作者本人)身上找到对其批判以及自身研究和写作计划的支持,两人一同置身于公爵夫人的诸多世界之中。本文聚焦于针对皇家学会周边当时流行风尚的戏仿与讽刺,以及因新思维空间的开启而产生的乌托邦视角。在这条由带有讽刺意味的拜物教和混血现象铺就的道路上,故事在现实与虚拟、事实与虚构之间游走,批判认识论和制度预设,并在科学与文学这一新兴领域中检验性别界限。总结:《有差异的科学:玛格丽特·卡文迪什的〈燃烧的世界〉(1666 年)中的戏仿与乐园》。玛格丽特·卡文迪什的《燃烧的世界》(1666 年)是早期现代时期极少数由女性创作的乌托邦故事之一。乍一看,卡文迪什笔下美丽的女主人公在经历绑架和海难后进入的北极之外的世界,似乎堪称早期现代女性科学乌托邦的极致典范:在史上最短的爱情故事之后,女主人公成为女皇,并被赋予一个完整的帝国由她随意统治。但很快就发现,她新建立的科学社群中的混血生物,如熊人、鸟人、虫人等,远非追求乌托邦式的真理,而是像现实世界中的同类一样,常常陶醉于乏味的意义和信仰之中。本文将聚焦于此类戏仿情节,以及更符合“乐园”一词的对待科学的其他方式。只有在她现实世界中的朋友、同时也是故事作者的纽卡斯尔公爵夫人的支持下,女皇不仅能够改善她的乌托邦国度,还能改善现实世界的状况。在此过程中,事实与虚构、真实与虚拟、男性与女性、有意义与无意义之间的界限不断受到检验——反映并评论了早期现代对未知的恐惧与着迷以及科学技术的前景。